WheelMates im Test: Wenn RC-Car-Physik auf spielerische Leere trifft
Playday.one hat sich WheelMates vorgeknöpft – ein Koop-Spiel, das mit wuseliger RC-Car-Physik, Rätseln und einer penetranten Sammelpflicht durch ein umgebautes Wohnhaus wirbt.

Vier kleine Räder, die über Rampen springen und in einer "Void"-Dimension abstrakt werden, klingen erst einmal charmant. Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings ein Titel, dessen Core-Loop deutlich mehr verspricht, als er über die Spieldauer tatsächlich halten kann.
Vier Räder, ein Plot, den niemand braucht
Ein verrückter Wissenschaftler sitzt in einer digitalen Sphäre fest – soweit die Prämisse, die WheelMates euch und einer Partnerin oder einem Partner umhängt, bevor ihr in miniaturisierten RC-Autos durch Garage, Garten und Küche schickt. Das Setting liefert eine hübsche Bühne, scheitert jedoch auf ganzer Linie an der ludonarrativen Dissonanz zwischen dem, was die Inszenierung verspricht, und dem, was die Erzählung tatsächlich leistet. Der Plot ist, freundlich formuliert, komplett vergessbar. Die Stimme des Wissenschaftlers erklingt häufig, leider auch häufig genug, um mild genervt zu wirken. Die narrative Klammer trägt das Spiel nicht – sie schiebt es höchstens von Sammelobjekt zu Sammelobjekt, ohne dem Ganzen einen Sinn zu verleihen, der über reine Fleißarbeit hinausgeht.
Was die Autos können, kann das Konzept nicht halten
Gerecht sein, wo Gerechtigkeit angebracht ist: Das Fahrgefühl der RC-Karren ist tatsächlich exzellent abgestimmt. Beschleunigung, enge Wendemanöver, das realistische Überschlagen nach schlecht getimten Rampensprüngen – hier spürt man, dass jemand das tatsächliche Verhalten leichter Modellautos studiert hat. In diesem einen Moment, wenn das Auto spektakulär abhebt und genau so landet, wie man es beim echten Spielzeug erwarten würde, entfaltet WheelMates seine eigentliche Stärke.
Die marketingseitige Verpackung als "It Takes Two mit Autos" ist allerdings irreführend. Auf PC gibt es Splitscreen, im normalen Multiplayer seht ihr nicht, was euer Partner eigentlich tut. Was bleibt, ist im Kern ein kooperatives Puzzle-Platformer-Erlebnis – durchsetzt mit Neuro-Cores als Münzersatz, Zahnrädern für die Fahrzeug-Customization und scanbaren Objekten. Für Komplettistinnen und Komplettisten gibt es eine Mindmap, die penibel auflistet, was in welchem Hausabschnitt noch fehlt. Pacing sieht anders aus.
Werkzeug-Kaskaden und das Metroidvania-Erbe
Wo WheelMates strukturell tatsächlich punktet, ist die schrittweise Freischaltung von Werkzeugen. Ein kontextueller Greifhaken erlaubt präzise Schwingmanöver über bestimmte Lücken, ein Magnet hebt Objekte an – auch solche, die offensichtlich nicht aus Metall bestehen, was die Mechanik zwar mit einem humorvollen Augenzwinkern präsentiert, dennoch aber Fragen zur Konsistenz aufwirft. In metroidvania-typischer Manier versperren Bereiche den Zugang, bis das passende Werkzeug gefunden wurde, was tatsächlich dazu motiviert, ältere Areale erneut zu besuchen.
Die entscheidende Frage bleibt: Reicht das? WheelMates hat gute Ideen im Werkzeugkasten und liefert ein physikalisches Grundgefühl, das sich sehen lassen kann. Was fehlt, ist ein Pacing, das diese Stärken konsequent in Szene setzt, sowie eine Inszenierung, die dem Ganzen überhaupt einen Grund gibt, gespielt zu werden.
Für Gelegenheitsspieler, die ein entspanntes Koop-Erlebnis zu zweit suchen und mit der dünnen Rahmenhandlung leben können, ist WheelMates durchaus einen Blick wert. Wer hingegen die erzählerische Wucht und das Ideenfeuerwerk einer Hazelight-Produktion erwartet, wird enttäuscht – und zwar auf eine Weise, die sich nicht durch zusätzliche Sammelobjekte kompensieren lässt.