Marsupilami: Salsa Palombia im Test – Vom Kinderspiel zum fordernden Plattformer
Drei Marsupilami, ein Mummy-Soundtrack und der stille Triumph des Sequels, das niemand ernst genommen hat.

Ein 3,5-Stunden-Kinderabenteuer mit 100-Prozent-Abschlussquote – das war Hoobadventure. Wer nach dieser Lachnummer erwartet hatte, dass die Entwickler mit Salsa Palombia denselben schmalen Pfad nochmal beschreiten, liegt gnadenlos falsch. Der Nachfolger ist am 3. September 2026 auf PC erschungen und liest sich in der GameSpace.com-Review wie eine einzige Entschuldigungserklärung an alle, die beim Vorgänger gelangweilt den Controller weggelegt haben: Diesmal wird es schneller, taktischer und – ja – tatsächlich fordernd. Für eine Zielgruppe, der langsam die Gicht-Live-Service-Routine aus den Ohren kommt, ist das ein bemerkenswert geradliniger Auftritt.
Vom Einheitsbrei zum Charakter-Switching
Der strukturell wichtigste Schritt betrifft das Core-Design. Statt eines einzigen, austauschbaren Marsupilami bekommen wir mit Punch, Twister und Hope drei eigenständige Spielfiguren, die sich per Knopfdruck – auch mid-air – wechseln lassen. Das erinnert, wie die Review betont, an das Klassiker-Prinzip aus Donkey Kong Country, wo das Kong-Rotations-Prinzip unterschiedliche Fähigkeiten ins Pacing einbrachte. Hier ist der Wechsel allerdings deutlich dynamischer organisiert: Man klickt die Figur in der Luft, sammelt Kombinationen, und auf einmal ist das Ganze weniger gemütlicher Plattformer-Spaziergang als vielmehr ein vigorous sprint – so die Formulierung der Quelle. Das klingt nach genau der Art von Core-Loop-Verdichtung, die den Unterschied zwischen „niedlich, aber vergesslich" und „niedlich, aber mit Biss" ausmachen kann.
Musik als Struktur – und die Frage nach dem Pacing
Statt einer abgedroschenen Retthewelt-Rettung setzen die Entwickler auf das Absurditäts-Potenzial von Musik: Eine Mumienkönigin kehrt aus dem Totenreich zurück, beauftragt ihre Diener mit einem verfluchten Konzert, und plötzlich tanzen sämtliche Tiere von Palombia gegen ihren Willen. Die Prämisse ist bewusst unsinnig – und genau das ist ihr Vorteil: In einer Spielelandschaft, die jedes Abenteuer zur politischen Allegorie aufzublasen versucht, traut sich Salsa Palombia dazu, die eigene Albernheit ohne Rechtfertigung auszuspielen. Ob das über die gesamte Spieldauer trägt oder nach dem dritten Weltboss zur Pose verkommt, lässt sich aus der Review-Lage nicht abschließend beurteilen – die Zeitversuche und die konstante Abfolge von Dash, Sprung und Griff deuten jedoch auf ein Tempo hin, das sich nicht mit Leerlauf entschuldigt.
Was Gamer wissen sollten
Zwei Dinge lohnt es sich im Hinterkopf zu behalten. Erstens: Die Film-Reihe um die Marsupilami erlebt gerade einen kleinen Hype – der jüngste Streifen aus dem Frühjahr 2026 kam bei Kritikern gut an, was dem Spiel mehr Sichtbarkeit verschafft als der Vorgänger je hatte. Zweitens: Wer den ersten Teil gespielt hat und sich an der knapp bemessenen Spielzeit gestört fühlt, bekommt mit Salsa Palombia offenbar genau die Art Gegenentwurf geliefert, die Reviews immer wieder einfordern – mehr Charakter, mehr Tiefgang im Mechanik-Design, mehr Wiederspielwert. Das Versprechen muss sich im eigenen Durchgang natürlich erst einlösen; ein Grundrauschen aus Lob über snappier controls und gesteigerte Herausforderung ist aber ein solider Indikator dafür, dass die Entwickler die richtigen Stellschrauben gedreht haben. Für alle, die nach dem bitteren Beigeschmack eines 3,5-Stunden-100-Prozent-Durchlaufs nach einem echten Jump-'n'-Run-Erlebnis suchen: Diesmal könnte es sich lohnen, den Controller nicht sofort wieder abzulegen.