NHL 27 im Test: Warum die Eishockey-Simulation auf der Stelle tritt
Jedes Jahr dieselbe Hoffnung, jedes Jahr dieselbe Enttäuschung. Auch NHL 27 liefert keine Revolution auf dem Eis. Wie Games.ch in seinem Test festhält, setzt EA einmal mehr auf gewohnt solide Qualität — und genau das ist das Problem.

Wer die Core-Mechaniken hinterfragen will, wird auch in diesem Jahr nicht fündig.
Die Playbook-Illusion
Die offensichtlichste Neuerung sind die neuen Team-Playbooks, taktische Vorlagen nach dem Vorbild realer Franchises. In der Theorie ein Pacing-Meilenstein, in der Praxis eine Funktion, die der Gelegenheitsspieler schlicht nicht wahrnehmen wird. Games.ch bringt es auf den Punkt: Profis und Taktikfüchse bekommen eine weitere Möglichkeit, mehr Tiefe aus dem ohnehin umfangreichen Taktikbuch herauszukitzeln — alle anderen erhalten ein weiteres Detail im überfrachteten Menü. Das ist kein Fortschritt, das ist ein Feature für eine Zielgruppe, die ohnehin jedes Jahr kauft. Der Rest darf sich immerhin darüber freuen, dass die Liste der Spielmodi unverändert geblieben ist: Franchise-Karriere, Be-a-Pro, Ultimate Team — alles wie gehabt, alles bekannt.
Wenn der Core-Loop endlich atmet
Spannender wird es dort, wo EA am eigentlichen Spielgefühl schraubt. Statt wie im Vorjahr einzelne X-Factor-Athleten in den Vordergrund zu rücken, reagiert in NHL 27 das kollektive Mannschaftsverhalten auf die Spielsituation. Eine führende Mannschaft nimmt das Tempo raus, gewährt weniger Raum, fokussiert auf eine stabile Defensive. Eine zurückliegende Mannschaft in den Schlussminuten dreht auf, sucht die Offensive, riskiert mehr. Das ist, vorausgesetzt die KI hält tatsächlich mit, genau die dynamische Anpassung, die dem oft repetitiven NHL-Spielverlauf seit Jahren fehlt. Hinzu kommen überarbeitete Arenen mit individueller Beleuchtung, neuen Sounds, team-spezifischen Jumbotrons und einer Zuschauerschaft, die nicht mehr aus derselben generischen Stadion-DNA zu stammen scheint. Weniger austauschbare Eishockeyhalle, mehr Heimspiel-Atmosphäre.
Das leidige Jahres-Fazit
Am Ende bleibt das, was Sportspiel-Fans seit einem Jahrzehnt kennen: ein poliertes, funktionales, berechenbares Update. Für eingefleischte NHL-Fans ein Pflichtkauf mit überschaubaren Neuerungen und einem KI-Schub, der zumindest auf dem Papier für frischen Wind sorgen könnte. Für Gelegenheitsspieler ein Grund mehr, auf das nächste Jahr zu warten — in der vagen Hoffnung, dass EA irgendwann den Mut findet, die Kernmechaniken wirklich zu sezieren, statt sie jährlich mit kosmetischen Iterationen zu übertünchen. Bis dahin gilt: Wer NHL 26 besitzt, muss nicht zwingend aufrüsten — wer nach zwei, drei Jahren Abstinenz wiedereinsteigt, bekommt ein ordentliches Paket ohne böse Überraschungen.