Halloween: The Game im Test – Zwischen atmosphärischem Horror und spielerischer Trägheit
Wie gamereactor.eu in seinem Test ausführt, fühlt sich die Steuerung von Michael Myers in "Halloween: The Game" an, als würde man einen Frachtcontainer durch eine Spielwelt manövrieren – behäbig, unerbittlich und ohne jede Eleganz.

Mit dem Titel liefert Illfonic, das bereits "Friday the 13th: The Game" (2017) und "Killer Klowns from Outer Space: The Game" verantwortet, zwar eine neue Iteration seines asymmetrischen Multiplayer-Horrors, in dem ein Killer gegen vier Opfer antritt, aber kaum frische Designimpulse. Wer hier eine echte Evolution des Genres erwartet, bekommt stattdessen ein atmosphärisch dichtes, mechanisch jedoch angestaubtes Serien-Remake serviert.
Die Kampagne als Film-Lückenfüller
Laut GameSpace.com erzählt der Einzelspielermodus in einem Prolog und fünf Kapiteln die Ereignisse der Halloween-Nacht 1978 in Haddonfield nach. Myers entkommt aus der Smith's Grove Anstalt, stiehlt Dr. Loomis' Wagen und arbeitet sich langsam durch die Kleinstadt. Was dabei als Tutorial für den Mehrspielermodus daherkommt, entpuppt sich als kuratierte Nacherzählung: Jede Sequenz füllt die erzählerischen Lücken des Films mit Szenen vor, nach oder während der bekannten Momente.
Die Mechaniken schälen sich analog zum Abklingen von Myerres' antipsychotischen Medikamenten schichtweise heraus. Ab Kapitel 3 darf "The Shape" die Bloodlust-Fähigkeit nutzen – Boni für Kills, das Bewundern von Leichen und das Verweilen im Schatten. Wer zu lange im Licht steht, verliert seinen Fortschritt. Das Konzept ist konsequent und erinnert stark an "Dead by Daylight", nur dass die Rollen klar verteilt sind: ein unaufhaltsamer Jäger, vier chancenlose Opfer. Pro Kapitel warten unterschiedliche Exekutionen je nach Waffentyp sowie ein Fünf-Sterne-Bewertungssystem, das zum erneuten Durchspielen motiviert.
Wo das Pacing kippt
Gamereactor.eu beschreibt Myerres' Fortbewegung als quälend langsam – designtechnisch konsequent, denn Myers war im Film nie der Sprint-Typ, sondern die schleichende Bedrohung. Doch genau hier liegt das Problem: Wenn jede Jagd zur Geduldsprobe wird, kippt das Pacing vom beklemmenden Horrorerlebnis in monotone Core-Loops. Die Steuerung wirkt dadurch weniger wie ein Werkzeug der Spannung und mehr wie ein Relikt aus einer Zeit, in der asymmetrisches Design noch experimenteller war.
Kotaku fasst das Spiel in seiner Headline als "Scary, Fun, And A Bit Janky" zusammen – drei Adjektive, die den Kern der Spielerfahrung ziemlich genau treffen. Auch PlayDayOne hat einen Test veröffentlicht, dessen Details bislang nur in der Überschrift vorliegen. Klar ist: Wer ein poliertes Genre-Erlebnis sucht, sollte vor dem Kauf die aktuellen Patches und Performance-Berichte im Auge behalten.
Lohnt sich der Einstieg?
"Halloween: The Game" ist kein Reinfall, sondern ein loyaler Lieferdienst für Fans, die endlich selbst zur weißen Maske greifen wollen. Die atmosphärische Inszenierung sitzt, die Filmreferenzen sind mit Liebe gesetzt, und das Bloodlust-System motiviert mit Fünf-Sterne-Wertungen pro Kapitel. Wer jedoch ein Genre sucht, das sich seit 2017 spürbar weiterentwickelt hat, wird hier eher auf einen wohligen Schauer als auf einen echten Nervenkitzel stoßen.
Mein pragmatischer Rat: Schaut euch Testvideos zur Performance an, lest Multiplayer-Reviews aufmerksam durch und prüft, ob eure Hardware den Titel überhaupt ruckelfrei stemmt. Wer nur auf den asymmetrischen Mehrspielermodus scharf ist, wartet besser auf einen Sale – denn diese Art von Behäbigkeit will gezielt dosiert sein, nicht als Dauerzustand.