Herbst 2026: Welche Blockbuster halten dem Hype stand und welche enttäuschen?
Wie The Guardian auflistet, türmt sich zwischen einem zwanzig Jahre verschollenen Samurai-Comeback, einem selbsternannten Fünf-D-Plattformer und dem GAU, den Rockstar seit einem Jahrzehnt vor sich…

Der Herbst 2026 wird für jede Gaming-Festplatte zur Bewährungsprobe. Wie The Guardian auflistet, türmt sich zwischen einem zwanzig Jahre verschollenen Samurai-Comeback, einem selbsternannten Fünf-D-Plattformer und dem GAU, den Rockstar seit einem Jahrzehnt vor sich herschiebt, ein Release-Kalender auf, der weniger nach Spielspaß als nach Todo-Listen-Management riecht. Neun Titel, drei Monate, eine Frage: Wer trägt am Ende wirklich etwas Substanzielles bei – und wer verkauft uns den nächsten Hochglanz-Aufguss?
Die ganz schweren Brocken und ihre Fragezeichen
GTA VI erscheint am 19. November für PS5 und Xbox, nach einem Jahrzehnt Entwicklung und mehreren Verschiebungen. The Guardian beschreibt Jason Duval und Lucia Caminos als Bonnie-und-Clyde-Variante für die digitale Generation, angesiedelt in Vice City. Schön formuliert. Aber wer Rockstars jüngste Marketing-Versprechen kennt, weiß: Das Spiel sieht auf jedem Trailer fantantisch aus und liefert in der Realität oft dieselbe Open-World-Ermüdung, die GTA V bereits 2013 perfektioniert hat. Die eigentliche Frage ist nicht, ob GTA VI brillant aussieht, sondern ob Rockstar nach all den Jahren noch einen Core-Loop findet, der über die blanke Fläche hinaus trägt – oder ob wir wieder 60 Stunden durch eine hübsche Hülle radeln.
Parallel dazu schiebt Activision mit Call of Duty am 23. Oktober die nächste Modern-Warfare-Ausgabe nach, diesmal in Korea, mit Captain Price und der üblichen Ladung Granaten. The Guardian bringt es selbst auf den Punkt: sanitised politically adjacent themes. Mehr muss man zum nächsten Iterations-Aufguss dieser Reihe eigentlich nicht sagen. Wer jedes Jahr dieselbe mechanische Schleife kauft, nur weil sich die Kulisse ändert, hat mit Videospielen als Medium ein anderes Verhältnis als ich.
Marvel's Wolverine von Insomniac erscheint am 15. September exklusiv für PS5. Nach den brillant inszenierten Spider-Man-Titeln ist Skepsis erlaubt: Das New-York-Setting wird aufgegeben, stattdessen zieht Logan um die halbe Welt, um verwundbare Mutanten zu beschützen. The Guardian feiert die Optik und spricht von Combat, der dem Begriff "bleeding edge" buchstäblich Bedeutung verleiht. Das klingt vertraut nach typischem Insomniac-Pacing: spektakuläre Set-Pieces, durchkomponierte Actionfilm-Momente, dazwischen Passagen, in denen das Spiel atmet wie ein Blockbuster im Kino. Die Frage ist, ob hinter dem Hochglanz ein narrativer Kern steckt, der Logans Rage mit mehr füllt als bloßer Wut.
Die stillen Stars, die mehr Aufmerksamkeit verdienen
Screenbound erscheint am 10. September für PC, PS5 und Xbox und bezeichnet sich selbst als ersten "5D-Plattformer" überhaupt. Das Konzept klingt entweder nach Geniestreich oder nach Marketing-Onanie: Man navigiert eine 3D-Landschaft, während man simultan eine 2D-Spiegelwelt auf einem virtuellen Handheld-Display spielt – jede Aktion in der einen Welt beeinflusst die andere. Wenn das Puzzle-Design hält, was dieser eine Satz verspricht, reden wir hier über das innovativste Konzept seit Braid. Wenn nicht, war es ein netter Gimmick-Trailer.
Onimusha kehrt nach zwanzig Jahren Pause zurück, am 4. September für PC, PS5, Switch 2 und Xbox. Capcom schickt Miyamoto Musashi durch das kyotoische Edo-Zeitalter, mit hyperkinetischer Action, fliegenden Klingen und dem für die Serie typischen viszeralen Kampfsystem. Onimusha war schon immer das japanische Gegenstück zu Devil May Cry, nur mit Samurai statt Dämonenjäger-Romantik. Wenn Capcom das Pacing modernisiert, ohne die charakteristische Härte zu glätten, könnte das das unterschätzte Highlight des Herbstes werden.
Das neue Silent Hill erscheint am 24. September für PC und PS5, diesmal an der schottischen Ostküste angesiedelt. Simon Ordell kehrt ohne Erinnerungen in einen verlassenen Hafenort zurück – die Prämisse ist klassisch, aber die geografische Verlegung weg vom amerikanischen Standard-Horror-Setting könnte frischen Wind in eine Marke bringen, die in den letzten Jahren mehr diskutiert als gespielt wurde.
Remedy liefert am 24. September die Control-Fortsetzung für PC, PS5 und Xbox, mit neuer Hauptfigur, übernatürlichen Kräften und einem Manhattan, in dem ein wirklichkeitsverzerrendes Monster wartet. Remedy hat mit Alan Wake 2 bewiesen, dass sie Atmosphäre bauen können wie kaum ein anderes Studio. Die Herausforderung wird sein, einen neuen Protagonisten so charismatisch hinzubekommen wie Jesse Faden – sonst droht ludonarrative Dissonanz auf höchstem Niveau.
Was ich auf dem Schirm behalte
Der Patapon-Schöpfer Hiroyuki Kotani veröffentlicht am 15. Oktober einen Rhythmus-Action-Plattformer für PC, PS, Switch und Xbox, der laut The Guardian klingt wie eine Kreuzung aus Dead Cells und PaRappa the Rapper: Feinde werden mit Liedern besiegt, Spieler können gemeinsam verheerende Melodien produzieren. Das ist die Art von kreativer Verrücktheit, die in einem AAA-Kalender zwischen GTA VI und Call of Duty unterzugehen droht – obwohl sie wahrscheinlich mehr Gameplay-Innovation pro Minute liefert als beide zusammen.
Fire Emblem erscheint am 17. September exklusiv für Switch 2, zurück in der Welt von Three Houses, mit einem Wettkampf in der Stadt Dagsion, dessen Gewinner einen einzigen Wunsch erhält. Solange Intelligent Systems das charakteristische Beziehungs-Management nicht zu einer simplen Approval-Skala verflacht, bleibe ich dabei.
Mein vorläufiges Fazit nach diesem Kalender: Der Herbst 2026 testet vor allem eines – ob AAA-Studios noch in der Lage sind, einen 60-Stunden-Open-World-Klumpen von einem durchdachten Spielerlebnis zu unterscheiden. GTA VI wird zeigen, ob Rockstar diesen Test nach dem langen Warten noch besteht. Die Indies und Capcom werden zeigen, dass die Antwort längst nicht so eindeutig ausfällt, wie das Marketing uns weismachen will.